"...die 100 sind voll..."

von F. Kleinbongardt zum Anlass des 100jährigen Jubiläums

Als der Chronist im Jahre 1977 seinen historischen Abriss des RC Badenia Sandhausen

begann, machte er vom Gründungsjahr 1902 gleich einen Sprung in das Jahr 1948, als

der Verein nach dem Krieg wieder neu gegründet wurde.


Damals - eben 1977 aus Anlass des 75jährigen Jubiläums ging der Schreiber der Vereinshistorie von folgendem aus: "Ein Verein, der die Stürme der Zeit überwinden konnte und auf eine 75jährige Geschichte zurückblicken kann, der wird auch einmal sein "Hundertstes" feiern können." 

 

Nun sind in diesem Jahr 2002 die Einhundert voll, der RC Badenia feiert sein großes Jubiläum und immer noch steht bei allem Vereinstreiben der Radsport an vorderster Stelle. Es ist erstaunlich, wenn man sich die Vereinslandschaft im Großen anschaut, aber auch hier in Sandhausen insbesondere. Als drittältester Verein ist der RC Badenia eine unübersehbare Größe innerhalb der Sandhäuser Vereine.

 

Doch nun zur Vereinsgeschichte seit dem letzten großen Jubiläum 1977 damals zum 75jährigen Vereinsbestehen. Es wurde zwar im Jahr 1982 auch das 80jährige gefeiert, doch dies im etwas kleinerenRahmen, ohne eine Aufarbeitung der Vereinsgeschichte. So bleibt es also dem Schreiber dieser Zeilen, den Versuch zu unternehmen, 25 vergangene Jahre Revue passieren zu lassen. Dabei soll es weder auf Vollständigkeit noch auf Präzision in der Wiedergabe der Ereignisse und Vereinsgeschehnisse ankommen. 

 

Im Jahr 1978 wurde von Edgar Pfeifer eine Kunstradgruppe ins Leben gerufen, die schon zu den Jubiläumsfeierlichkeiten 1977 angeregt war und an die Tradition der 50er Jahre anknüpfte. Mit dieser Neugründung konnten zahlreichen Kindern und Jugendlichen die Begeisterung am Radsport vermittelt werden. Auch wurden durch intensives Training und Betreuung viele Titel und Pokale nach Sandhausen geholt. (Bilder Kunstradfahren) 

 

Ab dem Jahr 1981 flammte eine ganz andere Art des Radsportes auf. Zum einen mit Hochgeschwindigkeitstauglichen Rädern, zum zweiten auf Strecken von mindestens 41km bis über 200 km, aber zum dritten nicht gegen die Uhr, sondern eher gegen den eigenen Widerstand. Gemeint ist hier das Radtouristikfahren (RTF), das in jenen frühen 80er Jahren in den allermeisten Radfahrvereinen enormen Zulauf fand. Veranstaltungen, Strecken und Kilometer waren ausreichend vorhanden. Der RC Badenia gründetet eine eigene RTF-Gruppe, die in den stärksten Zeiten bis zu 60 Fahrer und Fahrerinnen umfasste, und die in den eigens von Udo Johann entworfenen Trikots bei allen RTF-Veranstaltungen unseres eigenen Verbandes, aber auch den benachbarten Verbänden immer wieder durch hohe Teilnehmerzahlen Pokale für den Verein errang. 1981 wurde dann auch erstmalig in Sandhausen eine RTF-Veranstaltung in Zusammenhang mit dem Waldfest und dem schon seit 1971 veranstalteten Volksradfahren durchgeführt. Diese Veranstaltung einer organisierten Radtourenfahrt war die erste überhaupt innerhalb des Badischen Radsportverbandes. Trotz der neuen Erfahrungen, die dieser Veranstaltungstyp mit sich brachte, war der Erfolg und die

Akzeptanz riesengroß. (Bilder Breitensport) 

 

1982 fand - nach gutem Zuspruch des Vorjahres mit 310 Teilnehmern - die nächste RTF im Rahmen der Veranstaltungen zum 80jährigen GründungsjubilaÅNum statt. Die Tradition der RTF wird seitdem in Sandhausen alljährlich am dritten Juniwochenende fortgesetzt, seit einigen Jahren in Zusammenhang mit dem AOK-Radsonntag, zuvor in Verbindung mit der Veranstaltung des Bundes Deutscher Radfahrer "Tag des Radfahrens". 

 

Aus der Arbeit und der sportlichen Betätigung der RTF-Gruppe erwuchs im Jahr 1982 auch der Wunsch, die Partnerschaft der Gemeinde Sandhausen mit der französischen Partnergemeinde Lège-Cap-Ferret zu unterstützen. Natürlich per Fahrrad und Muskelkraft. Vom 02. Juli 1982 an wurde die ca. 1300 km lange Strecke als Etappenfahrt absolviert. Viel Planung und Engagement gingen dieser großen Veranstaltung voraus. Der ersten Etappenfahrt in die Partnergemeinde folgten im Jahr 1990 und 2000 jeweils aus Anlass der Partnerschaftsjubiläen zum 10. und 20. Jahrestag der Verbindung zwischen Sandhausen und Lège-Cap-Ferret weitere Großfahrten, die sowohl bei den Fahrern als auch bei den beiden politischen Gemeinden große Beachtung fanden. (Bilder Lège) 

 

Die RTF-Gruppe hat sich im Zuge einer immer mehr individualisierten sportlichen Betätigung mehr oder weniger aufgelöst. Einzelne Fahrer, die sich nicht wie ehemals am Sonntagmorgen in Konvois von 20 oder gar 30 Fahrern aufmachen, gibt es zwar noch, doch ist der Zusammenhalt und die Bereitschaft für die Gemeinschaft die eigene Gestaltung der Freizeit zu verändern, zurückgegangen. Dies ist jedoch ein Phänomen, das sich in allen Vereinen breit macht. Die RTF-Veranstaltungen hingegen sind ein gerne besuchter Treffpunkt für die Anhänger dieser Radsportart.

Dem in der RTF weniger beachteten Fahren gegen die Uhr trotzten einige Fahrer des RC Badenia als Radrennfahrer. Einige davon schafften es sogar bis zur A-Klasse der Amateure, die Fahrer Kurt Schneider, Stefan Becker Martin Günster, Bernd Hilsendegen Sante Puccio, Herbert Poliwoda, Manfred und Joachim Bischoff, Rainer Funk Odilo Nick, Markus Nollert und Achim Herzog mit beachtlichen Erfolgen. Aus diesem Grund veranstaltete der RC Badenia Sandhausen in der Mitte der 80er Jahre ebenfalls Straßenrennen, nicht wie in den 50er und 60er Jahren außerhalb der Ortschaftsgrenzen "ums KREUZ", sondern "beschaulich" als Rundkurs "Rund um´s Schulzentrum" mit einer Streckenlänge von 1,1 km und einer nach Altersklassen abgestuften Rundenzahl. Die Radrennveranstaltung wurde sowohl von den Aktiven, als auch von der Bevölkerung als eine Bereicherung des sportlichen Jahreskalenders wahrgenommen. 

 

Dem Individualsport in Form des Hallenkunstradsportes und dem Straßenrennfahren hat sich der RC Badenia seit Beginn der 80er Jahre verschrieben und aktiv unterstützt, genauso aber auch dem Breitensport, in Form des Volksradfahrens und der Radtourenfahrten. Alle vier radsportlichen Betätigungsarten wurden mit großen Erfolgen und breitem Zuspruch der Sportler betrieben und vom Verein gefördert. In neuester Zeit ist eine Individualsportart, gleichzeitig aber auch Mannschafts- oder Gruppensportart des Radsportes ganz neu aufgekommen. Dabei handelt es sich um eine besondere Form des Einradfahrens, das eher mit Artistik, Jonglage und Unterhaltungsakrobatik zu tun hat. Einradfahren, das im Verein in der Form des Formationsfahrens betrieben worden war, wurde nun abgelöst von einem eher spielerischen Umgang mit dem Einrad und dem eigenen Körper. Die Rahmenbedingungen für diese Sportart, die im Verein im Jubiläumsjahr mit bis zu 25 Kindern betrieben wird, werden zur Zeit von den übergeordneten Verbänden festgelegt, hier bleibt es abzuwarten, wo Wettkämpfe und ähnliches die Richtung hin festlegen. (Bilder Einrad) Kontinuierlich seit nun mehr 25 Jahren dagegen ist eine weniger radsportspezifische Gruppe des Vereins zusammen und pflegt Sport, Geselligkeit und vor allem sämtliche unterstützenden Aktivitäten bei allen Festen und Veranstaltungen des Vereins: die Damengymnastikgruppe. Erwachsen aus einer sportlichen Idee einer Weihnachtsfeier befinden sich heute in ihr Frauen jeden Alters, die Körper und Geist durch gemeinsamen Sport, aber auch Ausfahrten, Feste und eben das gemeinschaftliche Helfen fit halten. (Bilder Gymnastik

 

Alle Geselligkeit des Vereins erstreckt sich auf die jährlichen Veranstaltungen und Feste. Winter- oder Weihnachtsfeiern, die mit buntem Programm und meist einer Tombola für Unterhaltung sorgen, Waldfest mit Radtouristikfahrt, der Kerwestand im Oktober, aber auch alle spontanen Kleinfeste sorgen bei den Mitgliedern des RC Badenia immer wieder nicht nur für Arbeit und Mühe, sondern insbesondere für Gemeinschaft, erlebtes Miteinander und abwechslungsreiches Vergnügen. Für die Zukunft des Vereines denken die Verantwortlichen in manch angeregter Diskussion über das Wiederaufleben der Radtouristikgruppe nach. Natürlich wird auch hier das Ausschauen nach einem Radrenntalent nicht außer acht gelassen. Möglich wäre ja immerhin die Entdeckung eines Rennfahrers mit Beinmuskulatur und Ausdauer innerhalb Sandhausens. Auch wird darauf gehofft, dass vielleicht das ein oder andere Einradkind den Spaß und die Liebe zu den Zweirädern entwickelt und sich somit die Tradition des Kunstradfahrens fortsetzen lässt, die in Sandhausen die halbe Vereinsgeschichte des RC Badenia umfasst. Die Festschrift aus Anlass des 125jährigen Jubiläums kann hoffentlich von entsprechenden Erfolgen dieser Bemühungen berichten.